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Archive for the ‘Die Kolumne’ Category

Bosnische Wahrzeichen

In Die Kolumne on 13. Juni 2008 at 9:11 am

Wer regelmäßig mit dem Auto in das Nachkriegsland Bosnien reist, erlebt die Fahrt wie eine Zeitrafferaufnahme. Dort wo sich beispielsweise im einen Jahr noch eine Grenze befand, sieht man im nächsten Jahr wie gerade die letzten Schlagbäume demontiert werden. Andernorts verwandeln sich provisorisch zusammengebastelte Grenzhütten in High-Tech-Zollstationen. An Stellen, an denen sich bei der vorigen Reise nur eine holprige Landstraße befand, ragen nun mehrspurige Autobahnbrücken in den Himmel.

Passiert man schließlich die Grenze nach Bosnien über die Brücke, die in der geteilten Stadt Slavonski Brod über die Save führt (dort wo man bis zur Jahrtausendwende noch von NATO-Soldaten im Schlauchboot übergesetzt wurde) begrüßen selbst hier den Reisenden Schilder, die auf die bald entstehende Autobahn hinweisen.

Fährt man einige Kilometer ins Landesinnere, so wird der „Todesstreifen“, die Aneinanderreihung zerstörter und verlassener Dörfer, die bisher am Straßenrand auftauchten, jedes Jahr schmaler. Die Sicht auf die Ruinen wird plötzlich von zahllosen Häusern verdeckt, die sich im Rohbau befinden. Und zwischen zwei der letzten ausgebrannten Siedlungen taucht wie aus dem Nichts – von grünen Neonröhren illuminiert – eines der Wahrzeichen des neuen Bosniens auf: die hochmoderne Tankstelle.

Bald wird man auch diese letzten Überreste des Krieges auf der Reise nicht mehr sehen können. Wenn erst die neue Autobahn gebaut ist, wird sie dem Reisenden, in kurzen Abständen, immer wieder das Gleiche bieten; den Blick auf das zweite Wahrzeichen des neuen Bosniens: das hochmoderne Einkaufszentrum.

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Köhler for Kaiser!

In Die Kolumne on 1. Juni 2008 at 10:03 pm

In den letzten Tagen konnte ein Webauftritt meine besondere Aufmerksamkeit erregen: Die Seite der Kaisertreuen Jugend. Und das nicht nur wegen der grellen Farben (ich sage nur „Knallblau“; man muss es gesehen haben, um mitreden zu können).

Ich finde es ja beruhigend zu wissen, dass es dort draußen irgendwo ein paar junge Leute gibt, die sich noch Gedanken darum machen, wie es mit dir Politik in Deutschland weitergehen soll. Nein wirklich …

Aber wie soll man die Wiedereinführung der Monarchie in Deutschland nach Neunzig kaiserfreien Jahren durchsetzen? Da gäbe es doch sofort einen Aufschrei durch die Nation: »Wer soll das bezahlen?!«

Laut einem Interview mit zeit.zuender.de sei man sich zwar einig, »dass die Deutschen insgeheim einen Hang zur Monarchie haben«, »Warum sonst explodieren jedes Mal die Einschaltquoten, wenn Rolf Seelmann-Eggebrecht die Geburtstagsparade der Queen kommentiert?«

Aber beim Geld, da bin ich mir sicher, hört die Begeisterung für die erbliche Monarchie auf. Wenn ich mir die Forderungen der Kaisertreuen Jugend ansehe, kommt mir aber ein viel besserer Gedanke, als den, dass man den preußischen Thronprätendenten zum Kaiser krönt.

Wenn ich es richtig verstehe, sehnt sich der Verein nach einem Monarchen, der als Anwalt des Volkes ein Bindeglied zwischen Bevölkerung und Parlament herstellt, der für religiöse Werte und Menschlichkeit einsteht und der Deutschland im Ausland ein Gesicht verleiht. Aber macht das alles nicht auch der aktuelle Bundespräsident – und dass, obwohl man es vor seinem Amtsantritt weder von ihm verlangt, geschweige denn erwartet hatte?

Mein Vorschlag wäre also: Ruft einfach Horst Köhler zum Kaiser auf Lebenszeit aus, dann bräuchte sich die CDU auch nicht mehr mit den unliebsamen Gegenkandidaten von der SPD rumärgern. Die Frage nach der Sinnmäßigkeit des Bundespräsidentenamts würde entfallen, außerdem residiert Köhler eh schon im Schloss Bellevue – was das allein an Kosten sparen würde, das Bundespräsidentenschloss ohne jegliche Umzugskosten zum Kaiserschloss umzudeklarien!

Am besten wäre natürlich, den Papst für die Krönung zu engagieren, damit die kaiserliche Legitimität gewahrt bleibt. (Ist Köhler eigentlich katholisch?) Jetzt, da wir gerade Papst sind, haben wir vielleicht ganz gute Chancen …

Fotos: Quelle – Wikipedia.de, Collage: d.m.

Postmoderne Einkaufsfreuden

In Die Kolumne on 15. April 2008 at 9:13 am

Vor kurzem übernahm ich, an einem sonnigen Tag, den Frondienst, einen Besuch bei einem großen skandinavischen Möbelhaus anzutreten. Mein Erstaunen war groß, als ich es tatsächlich bis kurz vor die Kasse geschafft hatte, ohne in größere Lethargie zu verfallen … aber eben nur bis kurz vor die Kasse!

Was ich nicht ahnen konnte; dass es bei besagtem Möbelhaus seit einigen Wochen etliche Kassen gab, an denen man nicht mehr mit Bargeld zahlen konnte. So kam es auch, dass ich den Mann, der ein paar Meter in der Schlange vor mir plötzlich umdrehte, nicht weiter beachtete. Vielleicht hatte er ja etwas vergessen, die Scharniere für den Küchenschrank auf seinem Einkaufswagen zum Beispiel, dachte ich. Unwissend.

An der Kasse angekommen, alle Artikel über das Band gezogen und der Kassiererin lächelnd zwei Scheine entgegen streckend, wurde ich mit der traurigen Wahrheit konfrontiert. Der kapitalistische Überwachungswahn nun auch in der Möbelbranche!

Kassiererin: »Aber haben Sie denn nicht das Schild gesehen?! Ist doch riesengroß!«

Ich trat einen Schritt zurück und blickte nach oben. Dann wieder einen Schritt nach vorne, dabei denkend: »Ob das Schild wirklich als riesengroß bezeichnet werden kann, darüber ließe sich herrlich streiten.«

Gesagt habe ich stattdessen (peinlich berührt): »Achso.«

Dann wurde irgendeine Vorgesetzte angerufen, die ging aber nicht an den Apparat, weil sie gerade an der Kasse gegenüber war; dort war dasselbe Problem aufgetreten.

Zum Glück.

Zuerst dachte ich nämlich, ich wäre der Einzige, der nicht nur zu blöd war sich an der richtigen Kasse anzustellen, sondern AUCH NOCH nicht in der Lage war, dann eben mit der EC-Karte zu bezahlen.

Als ich schließlich mit meinem unbeglichenen Kassenzettel an eine andere Kasse geschickt wurde, eine mit der Möglichkeit zur Barzahlung, musste ich wieder warten. Nachdem der Kunde, der gerade bedient wurde, fertig war, fragte ich höflich, ob ich kurz meinen Bon bezahlen dürfte.

Plötzlich eine schrille Frauenstimme, kreischend von der Seite: »Ahhh! Stellen Sie sich hinten an! Ich kann doch nichts dafür, dass Sie zu blöd sind um die Schilder zu lesen!«

Kassiererin 2 (ruhig): »Nein, ich mach das jetzt zuerst fertig.«

Hysterische Frau (rennt weg): »Ich geh jetzt! Niemals wieder kauf ich hier was ein!«

Ehemann der hysterischen Frau (verwirrt an der Kasse zurückbleibend): »Aber was soll das denn jetzt?! Das bringt doch nichts … Blamier‘ mich doch nicht immer!«

Nach zehn Sekunden dackelte er frustriert seiner Frau hinterher. Nach weiteren zehn Sekunden hielt ich mein Restgeld in der Hand.

Mittlerweile stand übrigens wieder eine Frau an der Kasse, an der ich zuerst war, und schrie: »WAS?! Wenn ich hier nicht mit Bargeld zahlen kann, dann soll ich wohl alles wieder zurückgeben!? Ihr könnt mich alle mal!«

Schweigen . . .

In Die Kolumne on 26. Dezember 2007 at 2:13 pm
In Gedenken an

Hannes D.

30.11.1982 – 20.12.2007

» Alles hat seine Zeit und alles Vorhaben
unter dem Himmel hat seine Stunde:

geboren werden hat seine Zeit,

sterben hat seine Zeit;
einpflanzen hat seine Zeit,

ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit.
Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit. «

Die Bibel, Prediger 3

Autobiographisches Schreiben

In Die Kolumne on 12. Mai 2007 at 6:25 am

In den letzten zwei Wochen habe ich zwei John-Irving-Romane hintereinander gelesen; „Garp und wie er die Welt sah“ und „Witwe für ein Jahr“. Ausgerechnet die beiden Irving-Romane mit Schriftstellern als Protagonisten. Natürlich kommt beim Lesen von „Autor-schreibt-über-Autor“-Romanen immer ein zusätzlicher Knobbelfaktor dazu – das unweigerliche Rätseln, ob der Verfasser gerade aus seinem eigenen Leben berichtet oder die Passage nur erfunden hat.

Noch verzwickter wird die Sache, da eben dieses auch in beiden Roman fortlaufend thematisiert wird; wieviel Autobiographisches findet man vom Autor in einem fiktionalen Text? Und dann ständig diese Romane im Roman. So schreibt der junge Garp zum Beispiel die Kurzgeschichte „Die Pension Grillparzer“, die doch eigentlich John Irving geschrieben hat, und auch lange vor dem Garp-Roman bereits veröffentlicht hatte.

Oder nehmen wir Marion Cole, die Verfechterin der Theorie, dass ein guter Roman nur auf Erfindung basieren darf und nicht auf Selbst-Erlebtem. Als sie in Amsterdam einen Vortrag zu diesem Thema hält, will sich ein Nachwuchsschriftsteller, der im Publikum sitzt und nur zum Schreiben von autobiographischen Texten fähig ist, gar verzweifelt das Leben nehmen. Dabei hat Miss Cole zu dem Zeitpunkt, als sie den Vortrag hält, bereits angefangen, einen neuen Roman, der auf Autobiographischem basiert, zu entwerfen!
Und die Meinungen über dieses Thema gehen in der Tat weit auseinander. Auch im echten Leben. So kam vor kurzem eine Frau auf mich zu und sagte mir, sie fände mein „Caffe della Vita“ besser als die Werke von Hermann Hesse.

»Wie kommen Sie denn darauf, dass mein Roman besser wäre als die Werke von Hesse?«, fragte ich iritiert – Hermann Hesse und ich, was für ein sonderbarer Vergleich!

»Nun, Hesse hat immer nur das geschrieben, was er selbst erlebt hat. Das ist keine Kunst, das ist keine richtige Literatur. Ihr Buch ist richtige Literatur.«

»Aha?!«

Zum Glück weiß diese Frau nicht, wieviel Autobiographisches ich in „Caffè della Vita“ habe einfließen lassen! Aber ich scheine es ja ganz gut versteckt zu haben.

Die Lösung aller Ihrer Probleme!

In Die Kolumne on 16. April 2007 at 6:39 am

Fühlen Sie sich auch manchmal abgeschlafft, matt und niedergeschlagen? Hat Ihr Chef sie wieder einmal den lieben langen Tag im Büro angeschrieen? Hackt Ihr Partner ständig auf Ihrem Gewicht herum? Wird der Tinitus täglich schlimmer und die Migräne unbezwingbar? Haben Sie im Lotto wieder einmal nur einen Richtigen?

Kein Problem – wir haben die Lösung!

Erwerben Sie einfach einen Führerschein und einen PKW und fangen Sie an mit AUTOFAHREN™.
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AUTOFAHREN™ ist Ihre Gelegenheit, auf alle gesellschaftlichen Benimmregeln zu pfeifen und einmal richtig die Sau rauszulassen. Bei der Arbeit müssen Sie buckeln, zu Hause müssen Sie kuschen, niemals dürfen Sie Ihr wahres Gesicht zeigen – nur bei AUTOFAHREN™.

Beginnen Sie noch heute mit AUTOFAHREN™ und entdecken Sie sich selbst!

Zeit, den Musikgeschmack zu wechseln.

In Die Kolumne on 14. April 2007 at 6:04 pm

Nun ist die Rock’n’Roll-Welle also auch bei Tchibo hereingeschwappt.

In der Konzernzentrale trocknen die Praktikanten wahrscheinlich immer noch mit dem Fön die dadurch entstandenen Wasserschäden, während die Trend-Scouts bereits auf das Cover des aktuellen Magazins mit rosafarbenen Lettern das neueste Motto, „Rock ’n‘ Style“, gestempelt haben. Na super.

Im Heft selbst finden sich dann ganz viele dolle Klamotten, die so cool sind wie die Wurst im Kühlschrank. Zum Beispiel die Nappalederjacke im „angesagten Anti-Look“ mit Handy-Innentasche, der Strechjeans im „Used-Look“ mit Nieten am Arsch oder die Mädchenunterhose mit Hinternaufdruck „Rocking Girl“. Eine CD zum rocken für zu Hause hat man auch im Programm, mit derben Rockacts, die ohne Probleme die Strokes und Maximo Park in die Tasche stecken können, nämlich „Shaggy“ und „Katrina and the Waves“.

Im Magazinteil gucken Tokio Hotel den Betrachter grimmig an und die Konzernschreiber erklären den „neuen Glamrock-Style“. „… derzeit schwer angesagt“. Aha.

Rock’n’Roll-Style ist bei Tchibo angekommen. Zeit, den Musikgeschmack zu wechseln.

Und den Klamottengeschmack. Und die Unterhosen. Aber nur einmal in der Woche – wie die echten Rocker.

Leitfaden zur sakralen Bedrängnisgymnastik

In Die Kolumne on 13. April 2007 at 7:40 am

[In der Reihe »Der kleine Kirchenkatechismus – oder wie finde ich die perfekte Gemeinde« präsentieren wir Ihnen diese Woche: Die orthodoxe Kirche]

Die Lithurgie in einem orthodoxen Gottesdienst ist für einen Anfänger nicht leicht zu verstehen – am besten Sie versuchen es gar nicht. Ehrlich. Natürlich könnte man den Aufbau ohne Probleme im Internet nachlesen und dabei erfahren, dass der Gottesdienst aus drei Hauptteilen besteht, die wiederum in jeweils drei bzw. vier Teile untergliedert sind, die nochmals aus bis zu neun einzelnen Handlungsabläufen bestehen. Wussten Sie zum Beispiel, dass nach dem „Vater Unser“ noch das „Hauptneigungsgebet“ gesprochen wird, noch vor der Kommunion der Zelebranten und dem Antidoron? Nein wirklich, vergessen Sie es.

Sehen Sie den Gottesdienst lieber als sportliche Disziplin. Dann tun Sie wenigstens etwas für Ihre körperliche Gesundheit. Ich nenne es liebevoll „die sakrale Bedrängnisgymnastik“. Lassen Sie mich Ihnen kurz die Regeln erklären:

1.) Jeder Teilnehmer hat zu Beginn des Wettbewerbs ein 1/4 Quadratmeter großes Stück Bodenfläche als Standort zu wählen. Diese Position darf während des gesamten Wettkampfes nicht verlassen werden. Sitzgelegenheiten sind nicht zulässig.

2.) Der Wettkampf dauert 90 Minuten. Wer sich als erster hinsetzt oder das Gebäude verlässt, hat verloren.

Hört sich gar nicht so kompliziert an, sagen Sie? Ist es eigentlich auch nicht. Ich habe ein paar einfache Tipps für Sie zusammengestellt, mit denen der Sieg sicher ist:

a.) Achtung! Gefahr! Der Einsatz von Weihrauch fällt nicht unter das Dopingverbot. Vielmehr ist es so, dass der Schiedsrichter die entstehenden Dämpfe gezielt einsetzt, um Ihre Standfestigkeit zu prüfen. Wird Ihnen schwarz vor Augen, reißen Sie sich zusammen. Fallen Sie nicht in Ohnmacht, so haben Sie schon so gut wie gewonnen.

b.) Darüber hinaus ist es möglich, dass der Schiedsrichter versucht, Sie in eine verbale Hinterlist zu locken. Fallen Sie nicht auf Aussagen wie „Sie können sich nun hinsetzen“ herein. Abgesehen davon – es gibt sowieso keine Stühle (siehe Regel 1).

c.) In der Halbzeit wird ein Chor auftreten, um Ihre Moral zu zerstören. Der fiese Trick dahinter ist, dass die einzelnen Sänger zwar gar nicht so schlecht singen, allerdings intoniert jeder von ihnen ein anderes Lied – und das zur selben Zeit. Das Ergebnis hört sich an wie ein Rudel betrunkener Katzen im Schleudergang. Doch ein Profi wie Sie wird sich davon nicht in die Knie zwingen lassen. Denken Sie immer daran – das ist Ihre Gelegenheit zu zeigen, dass Sie aus hartem Holz geschnitzt sind. Konzentrieren Sie sich auf die Schuhabsätze Ihres Vordermanns und denken Sie an etwas Schönes – dann haben Sie es bald überstanden.

d.) Atmen Sie vor dem Wettkampf auf Reserve. Sobald sich das Spielfeld erst einmal mit Menschen gefüllt hat, werden Sie dafür dankbar sein. Bedenken Sie, wie wenig Platz Ihnen zwischen 200 Personen auf 50 Quadratmetern bleibt.

e.) Das Wichtigste, um das Match erfolgreich zu überstehen, ist allerdings die Beinarbeit. Eine typische Verschleißerscheinung ist das Schmerzen einer Schulter, nachdem man 30 Minuten regungslos dasteht. Bleiben Sie daher immer in Bewegung. Stellen Sie sich auch mal nur auf ein Bein, wippen Sie auf den Zehenspitzen vor und zurück, legen Sie die linke Hand auf die rechte Schulter und drehen sich dabei im Kreis – Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Am besten trainieren Sie Ihre Wadenmuskulatur bereits vor dem Wettkampf, fahren Sie täglich 50 Kilometer mit dem Fahrrad und spurten Sie am Morgen vor dem Match das Treppenhaus eine Stunde auf und ab. Vergessen Sie nicht Ihren neuen Wahlspruch – ein starkes Bein und der Sieg ist mein!

Haben Sie die 90 Minuten überstanden, winkt Ihnen die Medaille in Form des Schlusssegens aus dem Munde des Schiedsrichters. Wundern Sie sich bitte nicht, dass das alles ist, was Sie als Anerkennung für Ihre Mühe bekommen. Die Anstrengungen, die der Schiedsrichter unternimmt, um Ihnen jegliche Eigenverantwortung im Glauben aus der Hand zu nehmen und Sie von jeglichen spirituellen Zwängen entlastet, sind schließlich auch nicht zu unterschätzen.

Denn merken Sie sich eines – selber beten ist unsportlich und nicht im Sinne des Wettkampfes!

Fernsehen verblödet…

In Die Kolumne on 20. November 2006 at 9:00 am

Fernsehen verblödet. Ein Beispiel:

Neulich, zwei Uhr nachts. Das Telefon klingelt. Ich gerade mitten im Tiefschlaf. Nachdem ich erst einmal realisiert hatte, dass überhaupt irgendetwas klingelt, und bis ich dann kapiert hatte, dass es kein Wecker war, hatte das Telefon natürlich schon wieder Ruhe gegeben. Aber die Nummer eines Freundes wurde auf dem Display angezeigt! Zu Müde zum zurückrufen, also erst Mal weiter schlafen…

Am nächsten Tag ruft wieder der Freund an. Fragte ihn warum er um zwei Uhr nachts angerufen hatte.

„Ich? Angerufen? Zwei Uhr nachts? Nein … Da war ich zwar noch wach und habe irgend so eine neue doofe Serie im Kabelfernsehen geguckt aber …“

Auf einmal dämmert ihm was.

„Moment mal … Jetzt wo du es sagst … und ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, als ich im Delirium vor der Glotze saß, warum die Fernbedienung nicht funktioniert hat, obwohl ich die ganze Zeit darauf rumgedrückt hab. Dann war das ja gar nicht die Fernbedienung …“

Palermitaner? Palermer? Palmer? Palme …

In Die Kolumne on 19. November 2006 at 8:41 am

Als ich vor einiger Zeit mein »Caffè della Vita« Manuskript von meiner Lektorin zurück bekommen habe, war ich doch etwas verwundert. Aus der Bezeichnung »Palermitaner«, die ich für Menschen aus Palermo gewählt habe, wurde kurzerhand »Palermer«. Palermer? Wie klingt das denn?!

Am Telefon erklärte mir meine Lektorin, dass sich der Begriff für Sie ja irgendwie auch falsch anfühle, im Duden stehe es nun Mal so. Ich darauf total verwundert, Palermitaner hatte ich schließlich aus einem bekannten Reiseführer übernommen.
Sie dann darauf, „ehrlich?“ und ich „na klar…“, dann Sie „ok, dann ruf ich mal beim Dudenverlag an!“.

Sie ruft also beim Dudenverlag an, die erklären natürlich erst mal, dass das schon so sein wird wenn es im Duden so steht. Trotzdem haben sie beide Varianten einfach mal bei Google als Suchbegriff eingegen und waren verwundert, dass Palermitaner 1.200 Suchergebnisse bringt, Palermer nur 769. Als nächsten also die Empfehlung die Lektorin solle doch in Italien bei einem Club in Italien lebender Deutscher anrufen – natürlich mit der Bitte danach mit neuen Erkenntnissen nochmals beim Dudenverlag zurück zurufen.

In Italien meinte man schließlich, man würde auch Palermitaner vorschlagen, ist schließlich auch viel näher am italienischen Original: Palermitani. Damit bleiben die Palermitaner in „Caffè della Vita“ also Palermitaner und der Dudenverlag will das Wort angeblich in einer der nächsten Redaktionssitzungen mal ansprechen…